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Interview - silbærg Snowboards

Interview - silbærg Snowboards

Silbærg Snowboards, die Gewinner des ISPO BrandNEW Awards 2011 mischen mit einer neuen Technologie das Snowboard Business gehörig auf. Silbaerg Snowboards ist aus einem Projekt von Wissenschaftlern der Technischen Universität Chemnitz entstanden. Die Macher kombinieren technische Forschung und Know How mit purer Leidenschaft zum Schneebrett. Diesen Winter sind die ersten Boards der jungen Brand auf dem Markt. Grund genug für uns da noch mal tiefer nachzubohren:

Hallo Jörg, Wie lange gibt es jetzt eigentlich silbærg Snowboards?

Silbærg wurde im Januar 2011 gegründet. Nachdem das Team im Dezember 2010 die frohe Nachricht vom Gewinn des ISPO BrandNEW Awards (Winter Hardware) erhalten hat war einfach klar, dass wir durchstarten müssen und die silbaerg GmbH wurde gegründet.

Wie war das genau mit der Entstehung von silbærg Snowboards an der Uni? Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Die ALD-Technologie basiert auf Untersuchungen, die im Rahmen meiner Doktorarbeit erstellt wurden. Das hier betrachtete Thema war sehr komplex und musste erst auf „einfache“ Bauteile wie Platten übertragen werden. Bei den Analysen im Labor wurden dann die ungewöhnlichen Verformungseffekte sichtbar. Beim Biegen der Platte hoben sich die Kanten an und umgedreht. Als Snowboarder war für mich in dem Moment klar, dass dieser Effekt in die Boards rein muss. Dies war jedoch leichter gesagt als getan.... und es hat 4 Jahre Forschung und viele Laborstunden benötigt, bis das Produkt perfekt war.

Was ist so besonders an silbærg Snowboards und in wie fern hat die Arbeit an der Uni damit zu tun?

Das besondere an silbærg Snowboards ist, dass unser gesamtes Team aus der Hochschule kommt und jeder in seinem Fachgebiet mehrere Jahre wissenschaftliche Erfahrung hat. Auf diese Weise haben wir z. B. ein sehr hohes Verständnis für Faser-Kunststoff-Verbunde und können auf diverse Forschungsprojekte aus der Luft- und Raumfahrt oder aus dem Automobilbau zurück blicken, die uns die eine oder andere Idee für weitere Innovationen geben. Die Universität spielt hier also eine sehr interessante und wichtige Rolle, da hier die Ideen und Materialkonzepte geboren werden, welche in den kommenden Jahren von der Industrie und somit auch für den Snowboardbau eingesetzt werden. Wir sind durch die enge Verbindung mit der Universität also mit den Gedanken immer mehrere Schritte voraus. Dieses Wissen in Verbindung mit der Leidenschaft zum Snowboarden ist eine Kombination die ich in dieser Weise noch nicht am Markt gesehen habe.
Ganz besonders ist auch, dass wir die Faserhalbzeuge aus Glas- und Kohlenstofffasern, die im Inneren des Boards liegen, von Hand in Chemnitz fertigen und nicht wie von anderen Herstellern üblich maschinell produzierte bi-, tri-, oder quadrax Halbzeuge verwenden. Nur so können die speziellen Materialien die den ALD-Effekt erzeugen in das Board gebracht werden.

In wie weit hat euch die Uni oder andere Unternehmen unterstützt?

Unterstützung haben wir vor allem von der Professur Strukturleichtbau und dessen Leiter Prof. Kroll erhalten. Er hat uns stets den Rücken frei gehalten, mit Rat und Tat unterstützt sowie mit seinen Forschungsarbeiten in den 90ern im Bereich der Faser-Kunststoff-Verbunde die Grundlagen für unsere aktuellen Untersuchungen gelegt. Auf Seiten der Unternehmen haben wir vor allem große Unterstützung von Global Sports Technologies erhalten. Thomas Berger war bereits nach dem ersten Treffen im Herbst 2010 vom silbærg Konzept so begeistert, dass er alles in Bewegung gesetzt hat, damit wir die Muster rechtzeitig zur ISPO bekommen haben. Dies war eine sehr harte und arbeitsintensive Zeit, bei der ich mir keinen besseren Partner vorstellen kann. Die Qualität und Sorgfalt mit der bei GST gearbeitet wird, benötigen wir dringend, um ein solches hochwertiges Produkt wie es die silbærg Snowboards sind, produzieren zu können.

Eure Snowboards besitzen ja die sogenannte ALD-Technologie. Was steckt hinter diesem Namen?

ALD steht für Anisotropic Layer Design und ist unser Markenname für das besondere von Hand gefertigte Innenleben der Snowboards. Durch die manuelle Herstellung können wir besondere Effekte von den Glas- und Kohlenstofffasern perfekt ausnützen, was bis jetzt noch nicht üblich war.

Welche Rider schwören auf diese Bretter? Wer ist in eurem Team?

Wir stützen uns aktuell auf lokale Rider, wie Henning Rabe, Eric Orwat und Chris Geißler, welche uns auch bei der Entwicklung sehr stark unterstützen und die Marke extrem pushen. Wir hoffen natürlich alle, dass unsere Jungs in dieser Saison auf dem einen oder anderen Contest noch entsprechend Aufsehen erregen werden. Für die nächsten Jahre ist natürlich noch eine Vergrößerung des Teams geplant, aber hier sind die Dinge noch nicht ganz spruchreif. Weitere Unterstützung erhalten wir z. B. von einigen Ausbildern des DSLV von dem wir Premiumpartner sind, wie z.B. Tobias Gramsch, der noch immer eines der ersten Testboards fährt und es einfach nicht mehr hergeben will. Auch sind wir im Kontakt mit dem einen oder anderen Pro, aber hierzu kann ich natürlich noch nichts sagen.

Wie fühlt es sich an auf einmal Chef einer Snowboard Marke zu sein?

Das ist ein gute Frage, über die ich eigentlich noch nicht nachgedacht habe. Im Alltag ist es viel Stress und noch mehr Verantwortung für das gesamte Team, da wir es als kleiner Newcomer gegenüber den großen Platzhirschen nicht wirklich einfach haben. Deshalb überwiegt im Tagesgeschäft oft der Stress und ein Termin jagt den nächsten. Das richtig gute Gefühl kommt, wenn ich dann in den Bergen bin und Leute mit unseren Boards sehe oder auf Facebook lese wie begeistert unsere Kunden sind, dann fühlt sich das schon gut an und es ist schon irgendwie verrückt so ein Ding aus der Forschung an einer Hochschule loszutreten.

Ist ja bestimmt zeitaufwändig. Wie viele Stunden am Tag bist du in deinem Büro?

Ja sehr sogar, und ohne das Team um mich rum wäre das ganze undenkbar. Ich bin ja aktuell noch voll in den Hochschulalltag mit Projektbearbeitung und Lehre integriert, muss meine Doktorarbeit fertig schreiben und nutze jede freie Minute um silbærg voran zu bringen. Da kommen schnell 14 Stunden Arbeit am Tag zusammen. Aber die Momente im Schnee, wenn wir neue Ideen und Konzepte ausprobieren können oder einfach nur am Teststand stehen und unsere Boards von grinsenden Testern zurück bekommen lassen die viele Arbeit im Büro schnell vergessen.

Auf welche Produkte aus eurem Haus kann man sich freuen und was ist in Zukunft von Silbaerg Snowboards zu erwarten?

Für die Saison 2012/13 werden wir auf die vielen Kundenwünsche nach weicheren Boards eingehen und die Jibbomat-Serie ein ganzes Stück weicher gestalten. Dann denken wir viel über die nächsten Schritte von ALD nach, da ich hier noch ein großes Potential sehe. Wenn man bedenkt wie der erste Daimler ausgesehen hat und den mit heutigen Autos über 100 Jahre später vergleicht, erwarte ich noch viel Potential für Innovationen.
Aber die nächsten silbærg Produkte kommen erst auf den Markt wenn sie wirklich perfekt sind, denn wir stehen für Innovation, die spürbar und nicht nur im Prospekt lesbar ist!

Dankeschön und viel Erfolg weiterhin!

Mehr Infos: www.silbaerg.com, www.facebook.com/silbaerg

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